Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Stell dir mal ein Traktat (Flugblatt/Flyer mit christlichen Inhalten) vor, das zu allen wichtigen Lebensfragen christliche Positionen enthält, das Evangelium erklärt und dazu noch in über 30 verschiedenen Sprachen vorliegt. Das wäre ziemlich umfangreich, vergleichbar mit der Bedienungsanleitung eines technischen Gerätes. Doch genau das und viel mehr können wir mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Evangelisation erreichen.
KI hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Sie ist eine neue Technologie, die uns viel Arbeit abnehmen kann. In diesem Artikel klären wir die Herausforderungen und Chancen von KI und geben Tipps und Erklärungen, damit du das Thema besser verstehen kannst.
Einsatz von KI praktisch
Früher wurden Traktate unter Mithilfe von Kommentaren, Artikeln und einem Kreis von Autoren (im Gebet) erarbeitet. Später kam vielleicht noch eine Recherche mit Google zu einem bestimmten Thema hinzu. Es gab also verschiedene Quellen, die letztlich zu einem Ergebnis führten. Was mit viel Arbeit und Mühe verbunden war und ist, geht durch den Einsatz von KI extrem schnell. Das Prinzip dahinter ist sehr ähnlich wie eben mit dem Traktat beschrieben. Das stundenlange Recherchieren, Vergleichen und Zusammentragen des Inhalts aus verschiedenen Büchern und Zeitschriften übernimmt jetzt die KI. Sekunden später habe ich ein passables Ergebnis vorliegen, mit dem ich weiterarbeite. Ich kann die Unsicherheit verstehen, die damit einhergeht. Was für Quellen werden überhaupt benutzt? Welche Artikel und Daten wurden von der KI zu Rate gezogen? Das ist ein völlig berechtigter Einwand. Zur Erstellung einer Traktates verwenden wir ja auch nicht “Die Bunte” oder die Bild (Zeitung).
Im Grunde ist das Prinzip mit dem KI arbeitet sehr ähnlich, wie wenn ich ein Traktat entwerfe. Wie das aussieht erkläre ich dir jetzt.
WAS IST EIN PROMPT?
Wenn ich den Inhalt für ein Traktat von KI erstellen lassen möchte, muss ich ihr auch sagen, was sie schreiben soll. Diese Eingabe nennt man Prompt. Also formuliere ich einen Prompt und sage der KI: “Schreibe ein Traktat zum Thema “Sinn des Lebens.” Das Ergebnis hier ist eine schwammige, dem Mainstream (Bildzeitungs- Niveau) entsprechende Antwort aus Religion, Philosophie und Wissenschaft. Glaube an Gott oder das Evangelium kommt darin gar nicht vor.
Der springende Punkt beim Einsatz von KI ist: Je mehr Informationen ich der KI gebe und je besser und genauer ich den Prompt schreibe, desto besser ist die Antwort. Ein gut überlegter Prompt ist also die Basis für ein gute Antwort. Ich schreibe der KI also vor, welche “Quellen” sie nutzen soll. Das funktioniert am besten, wenn man beim Schreiben des Prompts systematisch vorgeht.

BEISPIEL FÜR EINEN PROMPT
Zuerst beschreibe ich den Kontext. In unserem Fall würde ich schreiben: “Du bist gläubiger Christ und vertrittst den theologischen Standpunkt von Warren W. Wiersbe. Du bist Evangelist und bei Norman L. Geisler in die Schule gegangen…. usw.”
Als Zweites gebe ich der KI Informationen, was ich haben möchte: “Ich gebe dir ein Thema und du machst daraus einen evangelistischen Artikel für ein Traktat….
Dann formuliere ich mein Ziel: “Erkläre anhand des Themas das Evangelium so, dass Menschen ohne Glauben und theologische Kenntnisse es verstehen…”
Zum Schluss sage ich noch, wie ich es haben möchte und wie umfangreich: Schreibe 1500 Zeichen, schreibe locker und motivierend usw.
Wenn ich so vorgehe und die KI so mit meinen Wünschen und meinem theologischen Standpunkt füttere, dann bekomme ich als Ergebnis einen Artikel, der ziemlich ähnlich ist, als wenn ich ihn ohne Hilfsmittel aufschreibe. Allein mit diesen nicht sonderlich durchdachten Prompt erhalte ich ein Ergebnis, dass ganz klares Evangelium enthält und auf Jesus hinweist.
Prompt: 1. Kontext >> 2. Information >> 3. Ziel >> 4. Ausgabeformat
Wie du gute Prompt schreiben kannst erfährst du hier: Frogwords.de
FAZIT
Mit einem gut durchdachten (Geistgeleiteten) Prompt kann ich KI für mich arbeiten lassen. In diesem Fall gebe ich der KI dann nur noch das Thema vor, wie “Sinn des Lebens”, “Leid”, “Frieden”, … und erhalte jeweils einen Artikel dazu, der sich sehen lassen kann. Den Artikel kann ich noch anpassen und verändern, um ihn dann zu veröffentlichen.
EINWÄNDE UND GEFAHREN
WAS IST MIT DEM HEILIGEN GEIST?
Wie jede Technik, die wir nutzen birgt der Einsatz von KI auch Gefahren.
Die KI kann mir viel theologisch richtiges formulieren und kann sogar Predigten schreiben – das kann dazu führen, dass ich nicht mehr mit meinem Herzen dahinterstehe und Gedanken nur vortrage, statt sie selber zu leben und im Gebet und im Geist zu bewegen. Dasselbe kann aber auch passieren, wenn ich mir Gedanken aus Kommentaren zusammenschreibe. Ich habe schon Predigten gehört, wo ich in meiner Studienbibel 1 zu 1 mitlesen konnte.
Muss nicht der Heilige Geist wirken, wenn ich etwas wie eine Predigt schreibe? 100% Ja. Sonst sind es nur leere Worte. Allerdings spricht der Geist Gottes nicht nur durch meine Worte, sondern auch durch Worte längst Verstorbener wie Luther oder Wesley.
Für meine innere Einstellung und meine Beziehung zu Jesus bin ich immer selbst verantwortlich! Die Zuhörer einer Predigt werden schnell merken, ob ich den Predigttext stundenlang vor Gott in meinem Herzen bewegt habe, oder ob ich es einfach (wo auch immer) abgeschrieben habe. Auch weiterhin braucht es das Gebet, geistliches und theologisches Ringen, sowie persönliches Engagement, um das Evangelium zu verbreiten und Christen zu fördern.
PROBLEME UND HERAUSFORDERUNGEN
Ein Problem bei Einsatz von KI ist, dass sie mir immer Recht geben wird und meine Meinung nicht in Frage stellt. An dieser Stelle ist also Vorsicht geboten.
KI unterliegt auch bestimmten Beschränkungen, die sich am Mainstream orientieren. Bei der Bilderstellung verweigert er mir ein Bild von Jesus am Kreuz zu erstellen. Begründung: zu grausam, zu gewalttätig.
Letztlich ist es mit KI wie mit vielen anderen Dingen, wie TV oder Internet – es gibt Gefahren und Gelegenheiten gleichzeitig. Übrigens kann ich der KI auch gestatten von mir zu lernen. So kommen christliche Inhalte ins KI – System.
PRÜFT ALLES
“Die KI kann mit allem, was mit Wissen zu tun hat, gut umgehen, doch sie ist unfähig zur Weisheit.” Brett McCracken/Logos Bibelsoftware. Das stimmt schon, wobei KI durchaus weise Ratschläge geben kann. Wir sollten beim Einsatz von KI auf jeden Fall immer prüfen, ob die Informationen, die wir erhalten, auch okay sind. Genauso wie wir es beim Lesen eines Buches auch tun. „Prüft alles und das Gute behaltet“ (1Thes 5,21)
Weitere Informationen und Einwände findest du hier: https://biblebots.de/mission/
Bei alledem ist es wichtig, Folgendes anzumerken: Persönliche geistliche Begegnungen werden durch Chatbots nicht ersetzt, sondern lediglich ergänzt.

EINSATZMÖGLICHKEITEN VON KI
KI können wir nicht nur nutzen, um Artikel zu schreiben. Ich lasse meine eigenen Texte oft mit der Schreib-KI “Deepl” korrigieren oder umschreiben. In wenigen Sekunden kann ich so einen Text von einfacher in förmliche oder freundliche Sprache verändern und auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen.
Im christlichen Bereich gibt es inzwischen einige gute KI Chatbots, mit denen man die Bibel studieren kann. (Nikodemus.ai über den Bibelserver, bibel.chat oder Logos Bibelsoftware) Bevor ich lange in Lexika schaue, zeigen mir diese Bots in Sekunden z.B. eine Übersicht der Könige Israels, können auch theologische Fragen zu Texten recht gut beantworten und den Zusammenhang erklären.
Auf der Seite Frogwords.de gibt es auch Beispiele und thematische Chats. Dort kannst du z.B. dein Predigtskript vom Sonntag hochladen und die KI macht dir auf Grundlage deiner eigenen Predigt ein Konzept für den Hauskreis oder die Bibelstunde. Dort kannst du dir auch ein Handbuch runterladen, wie du einen guten Prompt schreibst.
KI IN DER EVANGELISATION
Neben dem persönlichen Gebrauch (schreiben und verbessern von Artikeln, Zusammenfassen von Videos etc.) können wir KI so programmieren, dass sie definierte Aufgaben für uns übernimmt. Viele Webshops haben inzwischen solche KI-Bots, die mir Fragen rund um ihre Produkte beantworten. Das können wir auch für evangelistische Zwecke nutzen. Da sind wir wieder beim Traktat vom Anfang. Mit einem guten Prompt kann ich innerhalb von 10 Minuten ein ganzen Stapel an Inhalt für Trakte zu den verschiedensten Themen schreiben. Oder ich erstelle ein digitales interaktives Traktat in Form eines Chatbots.
Zusammen mit bibelbots e.V. haben wir als Leuchtturm-Team einen Oster-Chat und einen Weihnachts-Chat entwickelt. Diese Chats beantworten alle Fragen rund um diese Feste in einer Qualität, die für Suchende ausreichend ist. Das könnten wir als Menschen niemals leisten – 1000 Fragen pro Tag in guter Art und Weise zu jeder Tages und Nachtzeit beantworten – unmöglich. Auf diese Art und Weise geben wir das Evangelium an Menschen weiter, die wir mit einem Traktat vermutlich nicht erreichen würden.
Bibelbots e.V. hat eine eigene Plattform entwickelt, die auf Chat GPT basiert. Diese Plattform gibt uns die Möglichkeit, den Prompt noch besser einzustellen und zu definieren, als es direkt bei ChatGPT und Co. möglich ist. Damit erzielen wir eine hohe Qualität an Output.
Derzeit arbeiten wir an einem Chat, der evangelistische Gespräche führen kann. Der Bot übernimmt dabei die Rolle des Christen und stellt Fragen. Über eine Homepage sind wir so in der Lage, für die Menschen 24/7 erreichbar zu sein. Wir könnten nicht rund um die Uhr für ihre Fragen zur Verfügung stehen und auch nicht in der Lage sein, auf alle Fragen gute Antworten zu geben, und das bei 30 Leuten gleichzeitig und in ihrer eigenen Sprache.
Bei Bedarf kann der Bot den Kontakt zu echten Menschen vor Ort herstellen. Ein solcher Bot könnte personalisiert z.B. auf der Website jeder Gemeinde integriert werden.
FAZIT
Es braucht Weisheit beim Schreiben und Einstellen des Prompts. Und natürlich braucht es das Gebet, dass Gott Menschen damit anspricht. So wie wir für die Traktate beten, die wir unter die Leute bringen, sollen wir auch für den Einsatz von KI beten, dass Gott Menschen dadurch zum Glauben kommen.
KI nimmt uns viel Arbeit ab und schafft zeitliche Freiräume. Wenn wir diese Zeit nicht auf dem Sofa, sondern auf Knien verbringen, dann werden damit sicherlich viele Menschen den Weg zum ewigen Leben finden!